Kostümsitzung am 15.01.2010

Grandioses Debüt bei der Kostümsitzung der Großen Karnevalsgesellschaft
Funkenkorps und Majorettengarde erstmals mit gemeinsamer Tanzdarbietung

"Stimmung gut, Sitzung gut". Mit diesem knappen Statement brachte der Vizepräsident der GKG Peter Schmidt das Geschehen bei der Kostümsitzung auf den Punkt. Und in der Tat konnte sich das Programm der Literatinnen Andrea Jansen und Rosemarie Stetzkowski mit Fug und Recht Sehen und Hören lassen. Holger Miebach führte trotz des Auftauchens einiger ungebetener Gäste auf der Bühne, wie immer, souverän durch ein ausgewogenes Programm von Gesangs-, Rede- und Tanzdarbietungen. Zwei Ereignisse ließen einen ohnehin strahlenden Präsidenten noch mehr strahlen. So bereitete nicht nur ihm der Auftritt von Silke Jansen und die gemeinsame Tanzdarbietung des Funkenkorps und der Majorettengarde eine unbändige Freude. Am Ende der Sitzung war klar: Ein Jahr vor dem Prinzenjahr sind die Interpreten und die Tanzgruppen bereits in außergewöhnlich guter Form, so dass der Präsident, der kommende Prinz und die gesamte Gesellschaft voller Zuversicht in die Zukunft blicken können.

Es waren nur noch sehr wenige Stühle frei, als Sitzungsleiter Holger Miebach die Kostümsitzung seiner Gesellschaft eröffnete. Eine bunt kostümierte und freudig gespannte Narrenschar bevölkerte den Saal des Vereinshauses. Und schon ging es richtig los. Das Kindertanzkorps der GKG zog zu den Klängen des von Benedikt Pilz und Annika Nettersheim gesungenen Kindertanzkorpsmarschs auf die Bühne. Sieben von elf kleinen Fünkchen und Mariechen, die zum ersten Mal dabei waren, machten ihre Sache schon ausgesprochen gut. Dank der guten und unermüdlichen Arbeit der Betreuerinnen Ina Linnig, Sandra Brischke und Julia Michel zauberten die Kleinsten eine wunderschöne, lautstark bejubelte Tanzdarbietung auf die Bühne. Und dann kam endlich der, ohne den Sitzungen im Worringer Karneval nur das halbe Eintrittsgeld wert sind. Seine Tollität Prinz Arno I. von der KG Immerfroh zog im Kreise seines Hofstaats unter dem frenetischen Jubel seines anwesenden Narrenvolks auf die Bühne. Nachdem er artig vom Sitzungsleiter begrüßt war, seine Rede an sein Volk gehalten hatte und alle ihm zu Ehren seinen Prinzenschlager mitgesungen hatten, war endgültig der "gute, närrische Geist" eingezogen.

Dies bekam das elfjährige "fussich Ströppje" (Silke Jansen) bei ihrem begeistert gefeierten ersten Auftritt in der Sitzung der "Großen" zu spüren. Sie hatte mit der Wahl des Liedes "Über Köln da lacht die Sonne" der Paraplüs den richtigen Riecher. Denn alle im Saal ahnten oder wußten schon, wer über Düsseldorf lacht. Und wenn das mit soviel kindlicher Anmut und Unschuld vorgetragen wird, dann kann das nur die Herzen zum Schmelzen bringen. Der Sitzungsleiter strahlte, dass seine Ohren fast Besuch bekamen. So positiv eingestellt und vorbereitet empfing das Publikum den fünfzehnjährigen Nachwuchsredner Christian Gaugler. Als "'ne Nohbarsjung" erzählte er in der Bütt, was er so in der Welt der Erwachsenen erlebte. So konnte er dem neuen Küster schnell Auskunft geben über einen Mann, der an St. Pankratius von der Mauer gefallen war: "Bei dem Aufschlag müsse es ein Tennisspieler sein". Dieses und andere Krätzchen erheiterten die Anwesenden sehr und Christian verließ unter großem Applaus die Bütt.

Ihm folgten Anna Maria Pilz, die gemeinsam mit ihrer Mutter Marika seit einigen Jahren mit stimmungsvollen Karnevalsliedern den Saal zum Schunkeln bringt. Der Boden war bereitet für die Premiere von " et Rosi" (Rosemarie Stetzkowski). Sie wagte den Schritt in die Selbständigkeit in dem sie erstmalig mit einem Solo in die Bütt stieg. Besonders die anwesenden Herren hörten sehr aufmerksam zu, wie sie über ihre Wahl zur Pletschbachkönigin berichtete und wie ihr ganzes Leben schön war. Als Baby war sie schön nass, als Kind schön dreckig, in der Schule schön doof und jetzt nur noch schön. Herzlicher Applaus waren der Lohn für diesen Vortrag. Nach soviel Zuhören und Lachen wurde es aber wieder Zeit für etwas Bewegung im Saal. Garanten dafür waren die "Sänger us d'r Lohn". Wolfgang Jansen präsentierte mit seinen Töchtern Anne und Julia das Lied "Ich han jedräump von minger Heimat" Eines von vielen Liedern der Marie Luise Nikuta, die jedem echten Kölschen ans Herz und an die Nieren gehen. So war es nicht verwunderlich, dass die drei mit Bravo- und Zugaberufen die Bühne verließen. Sie machten Platz für "Zwei Fründe im Wartezimmer" (Willi Thoma, Herbert Meudt), die mit derben Witz die Zwerchfelle der Anwesenden heftig attackierten und dafür viel Beifall ernteten. Doch dann wurde es ganz still im Saal. Eckkehard Isenberg, der wie immer alle Gesangsnummern hervorragend vorbereitet hatte, entlockte seinem Klavier besinnliche Töne, in die zwei perfekt aufeinander abgestimmte Singstimmen einfielen. Gänsehautfeeling verbreitete sich im Saal, als Jacqueline Piegsa und Ilona Kircher durch die Reihen zur Bühne schritten. Erstmalig sangen beide gemeinsam und hatten mit einem Brings Potpourri das richtige Händchen bewiesen. Zumal sie besinnlich begannen und vor Freude überschäumend endeten. Als sie "Su lang mer noch am leeve sin" sangen, verwandelte sich das ganze Vereinshaus in ein Tollhaus. Da wurde sie endlich von der Kette gelassen, die Wurringer Narretei. Nahezu ekstatisch tobte der Saal. Und vermutlich hätte der Sitzungsleiter den nächsten Tag nicht unversehrt erreicht, hätte er den Zugaberufen nicht nachgegeben.

Der Saal tobte, die Stimmung war auf dem Siedepunkt. Nicht gerade einfach für die folgenden Darbietungen: aber die Dilldöppcher mit ihrem tollen Tanz, Oliver Ecker und Karl-Heinz Wendling in einem begeisternden Zwiegespräch und danach die Majorettengarde hielten die Stimmung am Kochen, so dass das Publikum fast dankbar war, als Holger Miebach dem anwesenden Präsidenten des Festkomitees Worringer Karneval das Mikrofon übergab, um drei verdiente Mitglieder der GKG für ihre Verdienste um den Worringer Karneval auszuzeichnen. Ute Miebach, Trudi Wirtz und Hans-Josef Dittebrand erhielten aus der Hand von Klaus Ditttgen den Verdienstorden des Festkomitees Worringer Karneval in Gold.

Die darauf folgende Pause beendeten die Rhingdüwel, die mit ihrer wunderbaren Tanzdarbietung auch die letzten Nachzügler schnell auf die Plätze lotsten und den Boden für "die Knallbonbons" (Julia Jansen, Anne Jansen, Barbara Hecker, Friederike Lutz, Christina Sturm) bereiteten, die mit dem Lied "Kölsche Mädchen sind gefährlich" der Gruppe Colör dafür sorgten, dass sich niemand wieder setzte. Ihnen folgten "Die Lästermäuler" (Karin Först, Manuela Löhr, Dagmar Schotten, Claudia Büchel), die Ergebnisse ihrer Beobachtungen in Worringen und um den Worringer Karneval gekonnt parodierten und viel Zustimmung ernteten, als es um die Einhaltung der innerörtlichen Geschwindigkeitsbegrenzung ging oder um die Entwicklung beim alljährlichen Fußballturnier der Ortsvereine.

Ihnen folgte das Funkenkorps. Kommandant Markus Büttgen präsentierte stolz die aktive Reihe mit 10 Funken sowie den Tanzoffizier (Thomas Müller) und das Mariechen (Maria Hecker). Unter den gestrengen Augen des Prinzen, der, wie bekannt, selbst ein hervorragender Tanzoffizier war, zeigte die Truppe, was sie drauf hat. Und das konnte sich wahrlich sehen lassen, wie dem anerkennenden Nicken des Prinzen zu entnehmen war. Der Saal jubelte. Und so fühlte sich nicht nur der Sitzungsleiter gestört als nach Abzug der Funken ein schräger Typ mit strubbeligem Haar die Bühne enterte und nach seinem Kumpel schrie. Spannung machte sich breit, was denn jetzt passieren würde. Als sein Kumpel nun endlich kam, entspann sich zwischen den Beiden ein Zwiegespräch, dessen zündenden Witze den Saal schier zum Bersten brachte. Das Publikum hing an ihren Lippen und fieberten dem nächsten Gag entgegen. Robert Hecker und Willi Heun verbargen sich hinter diesen schrägen Vögeln. Viel Applaus begleitete sie nach dem tollen Zwiegespräch von der Bühne.

Es wurde wieder Zeit zu schunkeln. Und wer sorgt besser dafür als das "Wurringer Mädchen" Marietta Wirtz. Auf Grund ihrer sehr langen Bühnenerfahrung hat sie ein Händchen fürs Publikum und im Handumdrehen schunkelte der Saal. Oh seeliger Sitzungskarneval! Doch wie so häufig, wenn es am schönsten ist, fiel ein Wermutstropfen in diese Harmonie in rut und wiess und alle anderen jecken Farben. Unaufgefordert erschien ein Herr im feinen Zwirn auf der Bühne, der steif und fest behauptete, er sei zu einer Prinzenprovokation eingeladen. Offensichtlich hatte der Sitzungsleiter von ungebetenen Gästen die Nase voll, denn wie von der Tarantel gestochen sauste er von seinem erhöhten Sitz auf die Bühne, um wie es schien persönlich Hand an diesen Krakeler zu legen. Doch schien er sich auf dem kurzen Weg besonnen zu haben. Oder war es nur seine gute Kinderstube, die ihn veranlasste, statt der Körperkraft die Überzeugungskraft der Worte wirken zu lassen. Dem herrlichen Dialog zwischen dem Störer (Hans-Josef Dittebrand) und ihm lauschte das Publikum hingerissen. Erfuhren sie doch so einiges aus dem Worringer "Nähkästchen", beispielsweise das die Ehrengäste der Sitzungen nicht zum Lachen sondern zum Repräsentieren eingeladen seien und sich deshalb auch so verhielten.

Nun wurde es aber langsam Zeit für die "Pappnasen" (Inge Schwickart, Margret Warnke, Gabi Neurath), die schon ungeduldig auf ihren Auftritt warteten. Gert Neurath hatte ihnen eigens für diesen Abend ein wunderschönes Lied geschrieben, dass sie mit viel Herz und Seele vortrugen. Wie immer beim Auftritt dieser drei war das Publikum sofort Feuer und Flamme und quittierte die Vorstellung mit tosendem Applaus. War dies, wie schon so oft auch das Ende einer rundum gelungenen Sitzung? Aber nein! Der Sitzungsleiter hatte ja schon einige Male während der Sitzung drumherum geheimnist. Jetzt ließ er die Katze aus dem Sack. " Ladies and gentleman, the GKG proudly presents (Für die Nichtkölner: Leev Fründe, mir sin stolz op) zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne das Funkenkorps und die Majorettengarde der GKG, verstärkt durch zwei ehemalige Tanzmariechen (Inge Hecker, Michaela Hoche). Was nun folgte, war unbeschreiblich. Nicht nur auf der Bühne tobte es, sondern auch der Saal kam völlig aus dem Häuschen. Maria Hecker und Stefanie Bröder hatten ganze Arbeit bei der Choreografie dieses Rock'n Roll geleistet. Dirty Dancing ließ grüßen. Maria Hecker zeigte im vollen Vertrauen auf die Jungs eine tolle Luftakrobatik. Eine perfekte Tanzperformance, die man mehr als einmal ansehen musste, und so forderte das Publikum lautstark die Zugabe. Und wenn sie alle auf und vor der Bühne nicht so außer Atem gewesen wären, dann hätten sie auch noch ein drittes Mal rocken müssen.

Und so waren alle irgendwie dankbar aber auch enttäuscht, dass das Ende der Sitzung erreicht war. Ein strahlender Präsident bedankte sich bei allen Mitwirkenden und Helfern und besonders beim Publikum, die alle zum Gelingen der Sitzung beigetragen hatten.

Text: Dieter Trojahn
Fotos: Thomas Bochem, Rober Hecker

Wie schön et wor luurt he!